Partnerschule Dresden

Partnerschule Dresden - alte und neue Freunde

Nach der Wende mit Enthusiasmus ins Leben gerufen, über viele Jahre mit Kontakten und Freundschaften gepflegt, zwischenzeitlich ein wenig aus dem Blickfeld gerückt, aber im zurückliegenden Schuljahr erlebte sie eine große Renaissance: Die Partnerschaft der Berufschule Main-Spessart mit der Partnerschule in der Canalettostraße in Dresden.

Nach einigen Jahren silentium – vielleicht auch, weil das Schulleben der beiden etablierten Berufsschulen in Dresden/Sachsen und im Landkreis Main-Spessart in geordneten Bahnen verlief – war es doch höchste Zeit, die bewährten Kontakte aufzufrischen und zu pflegen. Somit erging im Frühjahr 2007 eine freundliche Einladung an unsere Partnerschule in Dresden für einen Besuch in Karlstadt. Die Zusage kam prompt und mit dankbarer Freude, so dass der Besuchstermin im Herbst 2007 zwischen den Schulleitungen vereinbart wurde.

Durstig, hungrig, aber mit freudiger Erwartung trafen die Dresdner Kollegen/innen am 21. September an der Schule in Karlstadt ein. Nach herzlicher Begrüßung konnten sich Gäste und Gastgeber an Spanferkel und frisch gezapftem Schulbier laben. Untermalt wurde der Abend mit einer ausführlichen Bildstrecke auf der Großbildleinwand mit Fotos aus „alter Zeit“. Über „weißt du noch“ oder „kennst du den noch“ kamen Erinnerungen hoch und die Gespräche in gemütlicher Runde dauerten bis spät in der Nacht.

Für den nächsten Tag stand ein gewaltiges Besucherprogramm auf der Tagesordnung. Am Vormittag durften die Gäste unter Führung des Schulleiters eine Stadtführung in Würzburg mit Besuch von Residenz und Hofgarten erleben. Am Nachmittag trafen sich Dresdner sowie Karlstädter und Lohrer Kollegen an der Mainschleife bei Volkach. Bei traumhaft schönem Herbstwetter starteten wir unsere Mainschleifentour mit einer Pilgerreise zur Wallfahrtskirche Maria im Weingarten. Im Gotteshaus erwartete uns Riemenschneiders Rosenkranzmadonna und wies uns nach kurzer Begrüßung und Andacht den Weg in das fränkische Weinland.

Weiter gings zu Fuß zum wohl schönsten Aussichtspunkt an der Mainschleife, der Vogelsburg. Bei frischem Federweißer konnte man den Blick über die Weinberge und das Maintal genießen. Durch die Wein-Spitzenlage des Escherndorfer Lump führte uns der Weg talwärts über die Fähre in den Weinort Nordheim zur Schlussrast im Gewölbekeller des Gasthauses „Zur Sonne“. Spätestens hier wurde den MSP-lern das Versprechen abgenommen für einen Gegenbesuch im neuen Jahr. Idealer Zeitpunkt – so die Vereinbarung der beiden Schulleiter, Herr Haueisen und Herr Bittner - sei wohl ein Wochenende im Juni.

Gesagt, getan, ein dreiviertel Jahr später traf unsere Reisegruppe – Kollegen/innen und Patner/innen mit dem Bus pünktlich in der Canalettostraße in Dresden ein. Und auch hier erwartete die Gäste das selbstgebraute Schulbier und diverse kulinarische Köstlichkeiten vom Grill der Lehrfleischerei. Gesprächsstoff gab es an diesem Abend genug. Man kannte sich ja – und nicht erst seit der Begegnung im vergangenen Herbst in Unterfranken. Wichtigstes Equipment im Schulhof der Dresdner Freunde war natürlich die Großbildleinwand – bereitgestellt für die Life-Übertragung des Fußball-Europameisterschaftspiels Deutschland-Portugal. Gemeinsam „brüllten“ die anwesenden Fans die Tore in das Netz.

Der nächste Tag bot zunächst Gelegenheit, die Landeshauptstadt auf eigene Faust zu erkunden. Der Besuch der wiedererstandenen Frauenkirche war für viele Unterfranken ein Muss. Stadtführung und Schifffahrt auf der Elbe wurden als Alternativprogramme geboten.
Ein besonderer Augen- und Ohrenschmaus war der Besuch des Neuen Grünen Gewölbes im Dresdner Residenzschloss. Die Kunstschätze des Wettiner Fürstenhauses wurden uns durch eine fachkompetente, kunst- und kulturhistorisch bewanderte Führerin einfühlsam und spannend präsentiert. Den modernen Sehgewohnheiten entsprechend, ist es dort möglich, sich auf Details zu konzentrieren, denn die doppelt entspiegelten Vitrinen gestatten es, die Werke „mit den Augen zu berühren“. Gekonnt gelang es der „Meisterin“, die Kunstobjekte in ihrer dreifachen Genialität zu veranschaulichen: Jeder Schatz eine Symbiose aus Bildern der antiken Mythologie, künstlerischer Meisterleistung und technologisch professioneller Handwerkskunst. „Bin ich Ihnen zu theatralisch?“ Nein! Denn nur so wurden Auge, Phantasie und Kunstverstand in harmonischem Dreiklang zusammengeführt.

Unübertreffliches Highlight des Tages war jedoch der Besuch der Semperoper am Abend. Wir besuchten die Aufführung „Der Widerspenstigen Zähmung“, ein Ballett in zwei Akten von John Cranko nach William Shakespeare. Die Dresdner Kollegen hatten für uns durch frühzeitige Kartenvorbestellung Plätze im berühmten Musentempel an der Elbe gebucht und wir erlebten einen Kunstgenuss der ganz besonderen Art. Wenn auch nicht jeder Besucher den geforderten Bezug zu Ballettdramaturgie und Choreographie besitzt, so überzeugte uns jedoch alle die Meisterleistung einer Balletttruppe, die zu den Spitzencompagnien im Genre der darstellenden Kunst zählt. Absolut faszinierend, wie es den Tänzern gelingt, die drei Handlungsstränge nach dem Shakespeare-Vorbild in Szene zu setzen, „nur“ mit den beiden Ausdruckmitteln Musik und Tanz. All das mit ausdrucksstarker und feinsinniger Mimik, einer zauberhaften Gestik sowie herrlich dynamisierter Körpersprache. Kurzum. Wir waren begeistert! Am nächsten Tag machten wir noch Halt in der Goethestadt Weimar und erlebten in einer zweistündigen Führung einen Einblick in Leben und Wirken unserer deutschen Dichterfürsten.

All das verdanken wir den guten partnerschaftlichen Beziehungen zu unseren Kollegen/innen und Freunden der Dresdner Berufsschule. Vielen Dank an alle, die den Austausch organisiert haben und über viele Jahre aufrecht erhalten haben. Sachsen und die Landeshauptstadt sind auf jeden Fall eine Reise wert! Es bleibt der Wunsch, die neu formierte Schulleitung der Staatlichen Berufsschule Main-Spessart möge die Schulpartnerschaft weiterhin so gut pflegen und am Leben erhalten.

Heribert Zeller